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Sonntag, 3. Juni 2012

Abstillen

Demnächst, dachte ich mir, wird es Zeit. Sobald das Kind ein Jahr alt ist und Kuhmilch trinken darf, dann probieren wir das mal aus mit dem Abstillen.

(Ins Bett bringen war ja schon prima, wenn das Kind vorher schon an der Brust eingeschlafen war, aber immer klappte das ja eh nicht mehr.)

Und dann ist unsere Tochter einfach am Donnerstag ohne die übliche letzte Milchmahlzeit eingeschlafen. Und am Freitag früh ist sie einfach uninteressiert weggekrabbelt. Freitag abend noch mal probiert - aber nö, kein Interesse.

So, nächste Woche feiern wir Geburtstag. Und übernächste Woche gehe ich glaube ich mal wieder ins Kino (weil dann der Papa das Kind auch ins Bett bringen kann ohne dass die Mutter abends unbedingt zuhause sein muß).

Frei. Endlich. Ganz ohne Kampf, ohne Tricks. Danke, Tochter.

Samstag, 17. März 2012

Stillräume und ein Rant auf Stillkleidung in passender Größe (Rückblick)

"Ist nicht die ganze Welt ein Stillraum? Darf und soll frau überall stillen? Und wenn ja, will sie das überhaupt?" fragt Feminist Mum.

Ich habe jetzt nicht überall immer öffentlich gestillt, weil ich nicht dermaßen viel mit Kind unterwegs war, aber es waren doch ein paar öffentliche Orte.

Im Sommer ein paar mal in einem Café mit Freunden, eine davon auch eine stillende Mutter. Einmal im Hochsommer mitten in der Stadt in einem Brunnenhof. Da war das Kind noch klein und hat sich kaum ablenken lassen, brauchte aber auch spätestens nach 2 Stunden was zum Futtern. Einmal in einem Biergarten. (Bei Freunden und Familie zähle ich jetzt nicht als öffentlich).

Im Auto - zählt das als öffentlich?

In einem Möbelgeschäft in einem "Still- und Wickelraum". Der Sessel in diesem Wickelraum war unbequem und für den Zweck nicht passend. Den hat keine Mutter ausgesucht (und auch sonst keiner, der mal über das Bedürfnis genauer nachgedacht hat). Mein Kind war da allerdings schon sehr leicht abgelenkt, deswegen habe ich mir nicht einfach ein bequemeres Möbelstück in diesem Möbelhaus ausgesucht ...

Je größer sie war, desto leichter ließ sie sich ablenken ("Ich kann den Kopf schon gut bewegen. Oh, toll da passiert etwas Spannendes, lass mich mal schauen ... dafür muss ich jetzt nicht loslassen, oder? Nein, also ein übergelegter Schal, das stört mich jetzt aber wirklich, Mama. Nochmal ankoppeln. Und wieder abkoppeln, und wieder ankoppeln").

Das letzte Mal öffentlich Stillen war bei uns im November. In einer S-Bahn. Kind hatte sich fürchterlich aufgeregt (im Nachhinein war es vermutlich zu warm und wir hatten nicht genug ausgezogen von der Winterkleidung. Und laut war es auch und ungewohnt, auch wenn wir gelegentlich schon S-Bahn gefahren waren). Am Ziel war schon eine Löffel-Fütterung eingeplant. Aber für Gläschen unterwegs war die Aufregung viel zu groß. Und dann hatte ich die Wahl: Kind schreien lassen? Oder doch noch mal auspacken (also erst mal die Mama aus vielen Schichten Winterkleidung um dann das T-Shirt hochzuziehen ...). Hat geholfen gegen das Schreien. Weil es nicht wirklich eingeplant war, war es leider auch öffentlicher als ich mir das jetzt so ausgesucht hätte. Die anderen Passagiere waren glaube ich eher froh, dass der Lärm effektiv bekämpft wurde ("die Arme muss jetzt ran, aber sie tut was"). Blickkontakt hatte ich allerdings nur mit einer anderen Frau :-)

Hört man ja immer "Man sieht fast nichts bei passender Stillkleidung."

Ha ja. Das wäre ja schön. Passende Stillkleidung. Stillen verursacht ja bekanntlich größere Oberweiten. Manche Frau freut sich darüber. Schön für sie. Nicht schön für mich, ich hatte vorher eigentlich schon genug (nicht zu viel, aber genug) ... ja, und dann gibt es halt einfach keine Stillkleidung, wenn die Kleidergröße bei Oberteilen mal um 2 Größen größer wie sonst ist. Ich war reichlich verblüfft. Schwangere und Stillende gibt es nicht in etwas größeren Größen, jedenfalls nicht, wenn man den Kleiderproduzenten glaubt. Kleiner Tipp: Wenn Du Oberteile in Größe 42 oder 44 trägst, als Schwangere oder Stillende wird das sicher 46, 48 oder 50 ... werde einfach nicht schwanger, das ist nicht vorgesehen. Wir haben hier nur hippe Schwangere und Stillende bis 44 (maximal 46).

Folglich bestand meine äußere Stillkleidung aus billigen T-Shirts vom Discounter in zwei Größen größer wie sonst (darüber dann Wolljacke oder Fleecejacke, wenn das Wetter es nötig machte), der Latz der alten Schwangerschaftshosen bedeckte wenigstens den Bauch (Hosen von C&A, da darf die angehende Mutter gleich schon Flicken üben, bevor das Kind auf der Welt ist). Denn alle Baby- und Müttermodengeschäfte der Stadt und des Internets (die ich gefunden hatte) hatten nichts passendes (leider verloren, liebe Textilbranche, ich hätte für ein paar ansehnliche Oberteile schon ein paar Euro ausgegeben).

Inzwischen gibts für mein Kind normalerweise (wenn sie nicht krank ist) nur noch morgens und abends Muttermilch. Zuhause. Ohne größere Ablenkung. Naja, jedenfalls nur der Ablenkung, die da eh schon da ist (Mama bewegt sich. Kind niesst. Mama hustet. Kind hustet. Mama niesst. Mama blättert um. Mama hat EINE ZWEITE MILCHQUELLE!). Jetzt hat sie Zähne. Und geschickte Hände mit denen man Greifen und Zwicken kann. Da will ich kein abgelenktes Kind ... (und wenn wir ausser Haus müssten, würden wir es folglich deswegen nur sehr ungern öffentlich tun). Schöne Stillräume, gibts die überhaupt? Ich habe noch keinen gesehen in meiner Stadt. Genauso wie für passende Stillkleidung habe ich zum Glück keinen Bedarf mehr.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Stillpropaganda vs. Realität

Warum ist eigentlich so viel Propaganda fürs Stillen nötig fragte ich mich vor mehr als vier Monaten (das geht nicht nur mir so). Ist ja toll wenn erzählt wird wie es funktioniert und worauf frau achten muss. Aber das Stillen wird dermaßen positiv dargestellt dass ich da gelegentlich schon ein wenig verwundert war.

Meine gesammelten schlechten Erfahrungen nach über vier Monaten: Die Propaganda braucht es, um die Frauen bei der Stange zu halten.
  • Am Anfang schmerzt es sehr (später manchmal auch, Milchstau oder wunde Brustwarzen weil man das Kind zu lange hat trinken lassen, Kind das einem beim Wickeln tritt, BH der drückt ...). Wichtig ist auch die richtige Haltung, ich habe mir am Anfang die Schulter verrissen - im Krankenhaus wurde das nicht richtig gezeigt.
  • Frau kleckert sich und Umgebung mit Milch voll wenn sie keinen BH trägt (welche anfangs alle! drücken). Der Milchspendereflex wird übrigens auch durch Schreien des Kindes aber auch durch Kuscheln mit dem Kind ausgelöst. Weshalb bei uns der Vater viel unverkrampfter mit dem Kind kuscheln kann :-/
  • Milch abpumpen geht bei mir prima, nur die Empfängerin will nix davon wissen die gewonnene Flüssigkeit aus dem Fläschchen zu trinken (gut, schon seit mehr als zwei Wochen nicht mehr probiert).
  • Essen darf man nicht alles, wenn ich nicht aufpasse bekommt mein Kind Blähungen oder einen wunden Hintern (beides sehr aua und mit Geschrei verbunden).
  • mein Genießer-Kind will tagsüber lange trinken - und häufig. Stillprotokoll von gestern:
    • rechts von 0740-0810, 30 Minuten
    • links 0927-0953, 26 Minuten
    • rechts 1111-1141z, 30 Minuten (das z steht für „Zwangstrennung“(wie beim DSL-Provider), wenn ich nach mehr als einer halben Stunde glaube, das mein Milchvampir nur noch zum Vergnügen nuckelt und mir die Andockstelle langsam doch weh tut. Wenn sie danach noch nach mehr verlangt, gibt es die andere Seite)
    • links 1241-1301, 20 Minuten, danach hat sie bis ca 1530 geschlafen
    • rechts 1555-1626, 31 Minuten
    • links 1742-1812z, 30 Minuten
    • rechts 1919-1958, 39 Minuten
    • links 2106-2140z, 34 Minuten
    • rechts 2243-2313z, 30 Minuten
    Es hilft mir, das aufzuschreiben - da weis man wenigstens was man den ganzen Tag so gemacht hat und warum man zu sonst kaum was kommt (Blogs lesen oder schreiben gilt nicht, das mache ich größtenteils während dem Stillen). Gelegentlich muss ich ja auch Wäsche waschen, selbst etwas essen (und dafür kochen), duschen...
Würde ich es nochmal tun? Keine Ahnung. Vermutlich ja, aber ich würde viel früher eine "Stillverwirrung" in Kauf nehmen und parallel mit dem Fläschchen üben.

Was dann schon faszinierend ist, festzustellen wie schwer die nassen Windeln sind. Und wie sehr das Kind gewachsen ist. Alles aus dieser Milch die sie bei mir abzapft. Aber trotzdem: wir fangen gerade mit Beikost an. Von zwei bis drei Teelöffeln Karottenbrei wird mein Kind zwar noch nicht satt, aber das wird schon noch ...


    Freitag, 9. September 2011

    Freizeit? Bereitschaft ...

    Auch wenn das bei manchen Medizin-Berufen nicht so ist, normalerweise gilt Bereitschaft nicht als Freizeit.
    Bevor ich schwanger war, hatte ich als IT-ler gelegentlich Rufbereitschaft. Voraussetzung: Mobiltelefon dabei, Computer mit Internetanschluss (und VPN) in der Nähe. Bei Anruf eines Kunden oder SMS des Monitoringsystems musste man eingreifen. Wenn man Bereitschaft hat, muß die eigene Ausrüstung immer funktionieren (Mobiltelefone, die nur so tun, als ob sind da z.B. so ein fieser Klassiker). Ladegeräte dabei, keine Kernelupdates am Computer, Funklöcher vermeiden, Familienmitglieder informiert (wenn da jemand anruft, muss ich im Nebenraum verschwinden und bin erst mal nicht verfügbar). Bereitschaft kann manchmal (wenn nicht gerade an einer schlecht dokumentierten Uraltmaschine etwas kaputt geht, das Ding von 17 Kunden benutzt wird und man selbst das System kaum kennt) recht entspannt sein, aber es ist keine Freizeit. Manche Sachen gingen nicht - z.B. ins Schwimmbad kann man seine kleine IT-Ausrüstung dann doch schlecht mitnehmen (und den Kunden am Telefon auch nicht verstehen, wenn man es geschafft hat das ganze Equipment trocken zu halten). Eine Bootstour mit der Aussicht, nicht in einer halben Stunde das Ufer zu erreichen - nicht möglich.
    Bereitschaft hieß aber nur: Reparieren was kaputt geht, kein Regelbetrieb. D.h. häufig war auch mal gar nichts los, dann bekam man einen Bonus dafür, dass man seine elektronische Fußfessel mitschleppte und sonst sein Leben mit kleinen Einschränkungen leben konnte.
    Frischgebackene Eltern sind immer in Bereitschaft. 24x7 - 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Kind braucht was zum Futtern, eine frische Windel, eine Einheit Bekuschelung, etwas Massage für den Bauch, eine Runde rumtragen. Ein paar Maßnahmen sind absehbar und mehr oder weniger regelmäßig: wenn das Kind nichts mehr Trinken würde oder keine Windel braucht, wäre das Anlass zur höchsten Besorgnis ...
    Im Beruf kam immer mal jemand anderes dran mit der Bereitschaft. Das hatten wir als Eltern auch vor. Und die Großeltern sollten auch mal dürfen.
    Da gibt es nur einen kleinen Pferdefuss: Unser Kind, fast vier Monate alt, trinkt immer noch nur die Originalflüssigkeit in Originaldarreichungsform. Keine Fläschchen. Damit ist die Sache mit dem Delegieren für mich leider nur teilweise machbar. Dauer-Fütter-Bereitschaft.
    Die Pausen zwischen den Mahlzeiten sind tagsüber manchmal nur eine Stunde, das dehnt sich aber aus auf bis zu vier Stunden (die Tendenz zu gelegentlich größeren Pausen wäre erfreulich und alterstypisch). Sie ist jetzt fast 4 Monate alt und schläft schon erfreulich lange in der Nacht.
    Mein Mann kann schon mal ein paar Stunden oder demnächst auch ein paar Tage weg (wickeln kann man delegieren), ich leider nicht. Vorerst. Die Biologie ist unfair!
    Immerhin ist mir mein Bereitschaftsbonus (Elterngeld) überwiesen worden. Im Monat  ca. so viel wie ich früher für 3 Wochen bekommen hätte ... (Bereitschaftsgeld, Lohn gabs extra)

    Mittwoch, 24. August 2011

    Gewohnheitskind

    11 Wochen alt.

    Und weiß genau, was sie will: Muttermilch, wohltemperiert, bitte nur in der Originalverpackung. Andere Darreichungsform (Fläschchen mit Originalflüssigkeit oder auch Fertignahrung) werden bisher lauthals verweigert - und wenn das dann zu anstrengend war, schläft das hungrige Kind lieber ein. Da wir bisher Bedenken hatten, mehr als eine Mahlzeit auszulassen, haben wir das jetzt noch nicht versucht zu erzwingen.

    Das klang dann in der Stillpropaganda doch einfacher - abpumpen, und dann können Vater oder Oma auch mal füttern. Und die Mutter darf sich auch mal länger als eineinhalb Stunden vom Kind entfernen. Nicht mit unserem Kind (auch manch anderes Kind ist da wohl so wählerisch, wie wir inzwischen erfahren durften).

    Neulich der erste Versuch endlich mal wieder schwimmen zu gehen: gleich nach dem Stillen Badeanzug und Handtuch gepackt, Kind beim Vater gelassen, schnell mal ins Freibad. Auf die Idee waren leider alle andern Stadtbewohner auch gekommen: Die Schlange war so lang, dass der Ausflug absehbar zu lange gedauert hätte, bin sehr frustriert nach Hause gefahren.

    Gestern dann der erste Ausflug an einen Badesee, Oma + Vater, Mutter, Kind. Während Oma und Mutter dann Schwimmen waren hat der Vater ein paar Runden mit dem Kinderwagen gedreht. Die Mutter (schwomm mit häufigem Blick auf die Uhr) wurde dann schon lautstark erwartet, als sie endlich wieder aus dem Wasser kam. Allerdings erst mal als Futterquelle auch lautstark abgelehnt - das ist nicht meine Mutter, das ist ja viel zu kalt. Ein Windelwechsel später war das Kind dann zum Glück etwas toleranter und die Milchquelle auch schon etwas aufgewärmt.

    Der Vater kam schon wieder aus dem Wasser (ihm war es zu kalt :-) ), da war sie immer noch am Trinken. Das erste mal Open Air. Schön wars.